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Hochschultage Berufliche Bildung 2017

Fachtagung 16 Religion
In der Krise verdrängt und im Boom vergessen: zur Integration geringer qualifizierter Jugendlicher durch gerechte Bildung und gerechte Arbeit

Dr. Matthias Gronover, Universität Tübingen
Prof. Dr. Andreas Obermann, Universität Bonn

Seit Jahren haben die geringqualifizierten Jugendlichen die größten Probleme, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein Blick auf die Arbeitslosigkeit in Deutschland zeigt einen signifikanten Befund: 45% aller Erwerbslosen suchen im beruflichen Anforderungsniveau der Helfer- und Anlerntätigkeiten eine Beschäftigung. Erwerbslose mit Zuwanderungsgeschichte sind sogar mit einer deutlich höheren Quote im Anforderungsniveau von Helferberufen arbeitssuchend. Die Qualifikation vieler Erwerbsloser reicht nicht aus, um den steigenden Anforderungen der Betriebe gerecht zu werden (so genannte "Mismatch-Arbeitslosigkeit"). Vielerorts passen das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage nicht zusammen – auch geringqualifizierte Arbeitssuchende bleiben auf der Strecke. Zukünftige Entwicklungen werden diesen düsteren Befund eher noch verschärfen, denn gerade im Bereich der geringer qualifizierten Arbeitsplätze werden bis zum Jahr 2030 noch weniger Stellen als heute prognostiziert.

Besonders schlecht sind Aussichten Jugendlicher mit geringer Qualifikation: es fehlt der Arbeitsmarkt für geringer qualifizierte Jobs; gleichzeitig fehlt ein ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen. Jedes Jahr suchen in Nordrhein-Westfalen tausende Jugendliche erfolglos eine Ausbildungsstelle. Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen Schule und Beruf ohne echte Anschlussperspektiven für ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis. In NRW befanden sich im Schuljahr 2013/2014 mehr als 55.000 Jugendliche in diesem Übergang von Schule und Beruf, bundesweit waren es knapp 260.000 Jugendliche. Das sind immer noch mehr als ein Viertel aller Jugendlichen eines Jahrgangs.

Arbeit – Menschenwürde – Berufsgerechtigkeit
Arbeit gehört zum Menschen seit Anbeginn seiner Kulturgeschichte. Bereits die biblischen Schöpfungsberichte berichten, dass die Arbeit seit je her das Leben und die Kultur des Menschen bestimmt und der Beruf Menschen neben ihrem Auskommen Würde und Anerkennung zukommen lässt.

Aus christlicher Perspektive sehen wir alle Menschen als von Gott wertgeschätzte Geschöpfe mit je individuellen Talenten. Die würdestiftende Funktion von Beruf und Arbeit können diese jedoch nur für den oder für die bereithalten, denen eine Arbeit zur Verfügung steht. Deshalb ist es gerade angesichts der Vielfalt menschlicher Talente gerecht, wenn heutige Bildungskarrieren in eine ausreichende Zahl von Berufen mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus einmünden. Berufsgerechtigkeit meint in diesem Zusammenhang, dass alle Jugendlichen eine ihren Fähigkeiten entsprechende Berufsausbildung und anschließend eine angemessene Arbeit – und damit ihren Ort in der Gesellschaft – finden können.

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 22.03.2019